Das große Flimmern

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Klack. Es ist ein zweistimmiger Ton mit blechernem Nachhall. Ganz so als klopfe man mit einem Kugelschreiber gegen einen Edelstahltopf, und noch bevor das helle Echo ertönen kann, schiebt man den aufkommenden Ton mit der Hand in den runden Bauch des Kochtopfes zurück. Das Geräusch kenne ich nur zu gut, schließlich startet man damit meinen Betrieb, beziehungsweise den des Verstärkers, dessen Kabel sich in meinen Rücken bohrt. Dort, wo man mich schon mit dem Raspberry Pi, der Xbox und Wii auf Immer und Schlimmer verband, ohne beiderseitiges Einverständnis. Verdammt bin ich nun zur ewigen Kooperation mit meinen technischen Nachbarn, die nur einem Zweck dienen: Mich und meine Leistungen zu verbessern. Als wäre ich nicht gut genug. Der Verstärker mit seinem klangvollen Klack ist eindeutig der selbstbewussteste unter ihnen. Ich hingegen gebe nur ein erstarrtes Surren von mir. Oder meinetwegen auch ein Summen. Läuft etwas falsch, ist es mal ein Rauschen. Ansonsten sind Raspberry Pi, Air Play, Xbox und ich verstummt. Die Bühne gehört dem Verstärker, er schreit am lautesten.

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Was der Mann Samstags um 15.30 Uhr leisten kann…

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Es ist beeindruckend, faszinierend, nicht nur atemberaubend sondern Atem-nie-wiederkehrend zu welchen Leistungen der Mann im Stande ist. Der Mann kann zum Beispiel die Kiste Bitburger für 13,50 Euro aus dem Supermarkt mitbringen, aber gleichzeitig die neue Packung fettarme Milch vergessen. Außerdem ist der Mann unschlagbar darin, fünf Mal nach der Geburtstagsfeier am Freitag zu fragen, aber den Halbzeitstand zwischen dem Meidericher SV und dem 1. FC Nürnberg im Jahr 1963 kann er wie aus der Pistole geschossen mitteilen. Obwohl längst nicht jeder, der die Antwort kennt, auch bereits 1963 gelebt hat. Ein Wunderwerk – der Mann!

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“Stell das doch endlich ab!”

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UM HIMMELSWILLEN…LASS IHN DOCH ENDLICH MACHEN! So langsam reißt mir der Geduldsfaden. Warum? Vor mir sitzen fünf richtig – also wirklich richtig-richtig – witzige Typen. Während der eine Kerl mit den lockigen Haaren versucht, via Smartphone-Mouse-auf-dem-TV-abspielen-App den Zeiger auf meinem Bildschirm so zu platzieren, dass es ihm möglich wird, Musik an zu machen, haben die anderen Burschen nichts besseres zu tun, als ihn daran zu hindern.

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Ein müdes Juhu für die moderne Technik

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Ufff, mensch, Ihr habt mich vielleicht verjagt. Dass das Anschalten auch immer so unsanft geschehen muss. Reiße ich Euch auf lautester Lautstärke plärrend aus dem Schlaf? Naja, vielleicht, gelegentlich. Aber wenn, dann immer ohne böswillige Absicht. Jedenfalls, da sind wir wieder. Neuer Tag, gleiches Spiel. Wenn ich mir ihn und sie so anschauen, dann schwand mir nichts Gutes. Abgedunkeltes Licht, auf der Fensterbank brennt eine dicke Kerze im Glas, etwas zu Schnucken steht auf dem Couchtisch und sie trägt wieder diese ausgewaschene, schlabbrige Jogginghose, während er die Schlappen schon mal unter den Tisch geschoben hat, um es sich gleich “bequem zu machen”. Liebe Freunde, heute ist Filmabend! “Endlich”, schon lange nicht mehr gehabt. Denn schließlich schaut man an den anderen Tagen der Woche viel öfter Serien oder Unterhaltungsshows, und dann muss man diesen einen besonderen Abend von den Montags und Donnerstags doch irgendwie unterscheiden können. Also, Filmabend. Dafür ein müdes Juhu meinerseits. Aber als Dauer-Entertainer, als Rund-um-Multimedia-Bespaßer, bin ich leider der Letzte, der diesem „gemütlichen“ Abend fern bleiben kann. Das Einzige was mir bliebe, wäre um zu fallen. Leider gelingt mir das so selten.

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In der ewigen Entertainment-Spirale

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Urrggghhh…mit einem ruckartigen Knopfdruck reißt man mich in den Bespaßungs-Modus. Plötzlich. Nur ein Finger genügt. “Los, jetzt!”, schreit es! Ob ich Lust habe, interessiert niemanden. Es krächzt aus mir heraus. Mein Soundsystem ist noch nicht ganz wach. Doch man will es lauter. Und noch lauter. Von null auf hundert – ein grausames Spiel, das man hier mit mir spielt. Vor lauter Getöse bleibt mir nichts anderes übrig, als ereignislos vor mich hin zu surren. Das passiert mir manchmal. Das Surren, ein monotones Gefühl, das mich abstumpfen lässt. Tag ein, Tag aus. Immer muss ich bereit sein, immer muss ich lustig sein, Spaß machen, oder auf Knopfdruck traurig oder Actionreich. Ein selbstbestimmtes Leben ist das nicht! Ganz im Gegenteil. Denn angewiesen bin ich auf die mir gegenübersitzenden.

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